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Der Aal (Anguilla anguilla) ist sicher einer der eigentümlichsten und bemerkenswertesten Fische unserer Gewässer, nicht zuletzt auch wegen seiner schlangenähnlichen Gestalt.

Seine Begehrtheit brachte ihn fast an den Rand der Ausrottung, so dass man inzwischen versucht, durch internationale Abkommen den rapiden Bestandsrückgang zu stoppen. Ein Großteil der Tiere (wahrscheinlich der größte) gelangt gar nicht erst in die Binnengewässer, sondern wird vor den westeuropäischen Küsten gefangen und hauptsächlich nach Asien exportiert.

Damit haben wir bereits die besondere Lebensweise dieser Art angesprochen, denn zum Ablaichen wandern die geschlechtsreifen Tiere nach einem Aufenthalt von 9 - 15 Jahren im Süßwasser in das 7000 km entfernte Sargassomeer, nördlich der Bermudas. Dieses Gebiet wird durch die 17ºC-Jahres-Isotherme begrenzt. Der Laichplatz befindet sich wahrscheinlich in bis zu 400 Metern Wassertiefe.

Aus dem Laich schlüpfen zunächst Larven, die über den Atlantik in nordöstliche Richtung wandern. Ihre besondere Form gab ihnen den Namen „Weidenblattlarven“. Etwa im Oktober des dritten Lebensjahres erreichen sie die westeuropäischen Küsten vor Spanien und Irland. Nun erfolgt die Metamorphose zum so genannten „Glasaal“, wobei sie etwas an Größe einbüßen.

Etwas zeitversetzt erreichen die Tiere die Flussmündungen, die Elbe z.B. erst im April / Mai und die Ostsee sowie die darin mündenden Flüsse gar erst im Juli. Schließlich geht die Wanderung (meist nachts) die Flüsse hinauf bis in die kleinsten Verzweigungen sowie in die Binnenseen.

Die Einsicht in dieses eigentümliche Verhalten ist vergleichsweise jung, was früher viel Raum für Spekulationen ließ, aus denen so manche Geschichte erwuchs. Wir wollen diesen historischen Zusammenhang hier jedoch nicht weiter verfolgen, sondern uns mehr auf seine Biologie und Ökologie konzentrieren.

Verhalten & Sinnesleistungen

Das Fortpflanzungsverhalten des Aals und die damit verbundenen Wanderungen setzen enorme Sinnesleistungen voraus und ebenso eine echte Navigation, also das Vermögen, aus unbekannter Umgebung ein Ziel zu finden. Diese Leistung vollbringt der Aal bereits in seinen ersten Lebensjahren, und zwar als Larve und ebenso als Jungaal.

An der Orientierung sind gewöhnlich mehrere Mechanismen beteiligt (z.B. Sonnenkompass, Strömungsreize, Geruch), dabei übertreffen manche Sinnesleistungen unser Vorstellungsvermögen: Aale sind beispielsweise in der Lage, Geruchsstoffe in einer Verdünnung von 1: 2,9 Trillionen wahrzunehmen, das wäre etwa 1 ml Substanz aufgelöst in der 58fachen Wassermenge des Bodensees!  Bedenkt man die großen Distanzen, die die Tiere zurücklegen, so wird verständlich, wie wichtig derart sensible Sinnesorgane sind.

Bei Flut lassen sich Aallarven in die Estuarien der Flüsse einschwemmen. Geht das Wasser bei Ebbe zurück, begeben sie sich zum Boden, womit sie verhindern, ausgespült zu werden. Dabei reagieren sie in angeborener Weise auf den Geruch spezifischer Substanzen des Inlandwassers, der sie so lange am Boden hält, bis das höher steigende Seewasser sie erneut los schwimmen lässt, da sich die Geruchsmodalitäten nun wieder ändern. (EIBL-EIBESFELDT 1999).

Sobald sich bei den Glasaalen Hautfarbstoff bildet, ziehen sie (zumeist nachts) als so genannte „Steigaale“ weiter die Flüsse hinauf (hauptsächlich in den flacheren Uferbereichen) bis in die letzten Verwinkelungen sowie in die Binnenseen. Bei dieser Wanderung können sie erstaunlich viele Hindernisse überwinden, was später, wenn sie wieder zurück in ihre Laichgewässer ziehen, noch ausgeprägter ist.

Das Nahrungsspektrum, das anfangs Insekten (hauptsächlich deren Larven), Weichtiere und Würmer umfasst, wird mit der Zeit erweitert und besteht bei größeren Exemplaren zunehmend aus Fischen. Allerdings nimmt das allgemeine Nahrungsangebot Einfluss auf das Wachstum, und so bilden sich in unseren Gewässern ontogenetisch zwei Formen heraus (Spitz- und Breitkopfaale), die in Abhängigkeit von der bevorzugten (oder zur Verfügung stehenden) Nahrung entstehen. Die fischjagenden Breitkopfaale benötigen kräftige Kiefermuskeln, die ihnen ihr Aussehen verleihen und sich vor dem Rückzug in die Laichgewässer, wenn die Tiere die Nahrungsaufnahme einstellen, wieder zurück bilden, wodurch auch sie wieder zu Spitzkopfaalen werden.

Die typische Färbung des Aals in den Süßgewässern, die auf den Bildern zu sehen ist, gab ihm die Bezeichnung „Gelbaal“, wobei man tief im Binnenland nur weibliche Tiere findet, während die Männchen hauptsächlich in den Unterläufen der Flüsse bzw. im Küstengebiet verbleiben. Sie wachsen nur bis zum 5. Lebensjahr und werden etwa einen halben Meter lang bei einem Gewicht von 140 bis 170 g. Die Weibchen hingegen können bis zu 6 kg schwer werden und Längen bis 1,50 m erreichen.

Als nachtaktive Fische halten sie sich am Tage in verschiedenen Verstecken auf, mit Einbruch der Dämmerung gehen sie dann auf Jagd. Hierbei sind sie weitaus weniger scheu als viele andere nächtliche Räuber. So lassen sie sich beispielsweise vom Scheinwerferlicht eines Tauchers nicht oder kaum beunruhigen, sondern scheinen sich im Gegenteil sogar darin sonnen zu wollen (REINER KRAUSE, eigene Beobachtung).

Der Aufenthalt im Süßwasser endet für die Aale nach 9 bis 15 Jahren. Jetzt ändert sich abermals ihr Erscheinungsbild, der Rücken wird tiefschwarz, die Seiten sowie der Bauch silbrig-weiß schimmernd. Das Fleisch der nun als „Blank-“ oder „Silberaal“ bezeichneten Tiere ist besonders fetthaltig und fest. Die Nahrungsaufnahme wird eingestellt. Doch nicht nur die Farbe der Aale ändert sich, sondern diesmal auch ihre Gestalt: die Lippen werden dünner, die Brustflossen spitzer und die Augen größer. Sie bereiten sich damit auf die lange Wanderung zu den Laichplätzen vor, die etwa eineinhalb Jahre dauern wird.

Im Spätsommer und Herbst ist es dann soweit, die Blankaale ziehen in dunklen Nächten flussabwärts zum Meer. Diejenigen Tiere, die in abgeschlossenen Gewässern lebten, verlassen diese und schlängen sich nachts über feuchte Wiesen, um in das nächste Fließgewässer zu gelangen. Die Geschlechtsdrüsen entwickeln sich erst wesentlich später, die gesamte Energie hierfür und ebenso für die lange Wanderung beziehen sie aus ihren Fettreserven, welche nach dem Ablaichen im März des übernächsten Jahres soweit abgebaut sind, dass sie sterben.

Die Ordnung der Aalfische (Anguilliformes) umfasst Vertreter, die sich von allen anderen Fischen durch ihre besonders lang gestreckte Form unterscheiden. Bei den rezenten Arten fehlen die Bauchflossen, während Rücken- und Afterflosse oftmals zusammen mit der Schwanzflosse, die auch gänzlich fehlen kann, einen durchgehenden Flossensaum bilden. Die stark schleimige, zumeist nackte Haut weist nur bei vier Familien tief in der Haut liegende winzige Rundschuppen auf, die beim Europäischen Flussaal erst nach siebenjährigem Aufenthalt im Süßwasser ausgebildet werden.

Aalfische sind zum überwiegenden Teil reine Meeresbewohner, nur die Flussaale verbringen die meiste Zeit ihres Lebens im Süßwasser, doch auch ihre Fortpflanzung erfolgt ausnahmslos im Meer. Bei vielen Arten beginnt die Entwicklung mit einem Larvenstadium, aus dem nach unterschiedlich langen Zeiträumen (1 bis 3 Jahre) durch Metamorphose Jungaale hervorgehen.