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Die Amphibien stellen eine bemerkenswerte Tierklasse dar, wagten sie doch in grauer Vorzeit den Schritt vom Wasser- zum Landleben und begründeten damit die Existenz der Tetrapoden (Landwirbeltiere) auf unserer Erde.

Seit dem oberen Devon, vor mehr als 360 Millionen Jahren, besiedelten sie sehr erfolgreich unseren Planeten bis ihnen der Mensch diesen Platz streitig machte. Viele Arten sind inzwischen gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Der Schutz der Gewässer und ebenso ihrer Randgebiete ist daher auch gleichzeitig ein wichtiger Faktor für den Schutz der Amphibien. Möglichst breite, ungenutzte Uferstreifen und extensiv genutzte Grünflächen stellen wichtige Sommerlebensräume dar, aber auch angrenzende Wälder sind ein wichtiger Lebensraum, wo z.B. Totholz zum Überwintern genutzt wird.

Die meisten heimischen Amphibienarten verbringen die überwiegende Zeit ihres Lebens an Land in der näheren Umgebung der Gewässer und suchen diese nur zum Ablaichen auf; nur die Grünfrösche sind während ihres gesamten Lebens besonders stark ans Wasser gebunden.

Die saisonale Wanderdynamik wird durch folgendes charakterisiert:

  Frühjahrswanderung zum Laichplatz

  Gewässeraufenthalt einschließlich Fortpflanzung

  Latenzzeit für Frühlaicher

  Rückwanderung in die Sommerlebensräume

  Sommeraktivität

  Herbstwanderung in die Winterquartiere

  Winterruhe (Winterstarre)

Diese Aufzählung bezieht sich immer auf erwachsene Tiere, aber auch auf einjährige, nicht geschlechtsreife. Hier hinzu kommt also noch ein diffuses Wandern von Jungtieren vor allem im Frühsommer.

Die stärkste Aktivität kann man im Frühjahr erwarten, wenn die jeweiligen Laichgewässer aufgesucht werden. In dieser Zeit stellen Verkehrswege ein großes Problem dar, denn die Individuendichte kann enorm sein. Am Parsteiner See führt die Verbindungsstraße Pehlitz-Parstein dicht an der Saubucht vorbei

und damit mitten durch ein solches Wandergebiet. Hier wurden viele Schutzmaßnahmen durchgeführt, um die Verluste auf ein tragbares Maß zu reduzieren („Krötenzäune“, Unterführungen, nächtliche Komplettsperrungen in den Hauptzeiten).

Nicht alle Amphibienarten machen akustisch auf sich aufmerksam, die Schwanzlurche beispielsweise schreiten still zur Fortpflanzung und manche Froschlurche, zu denen die Kröten, Unken und die Frösche im engeren Sinne gehören, rufen so leise, dass man ihrer kaum gewahr wird. Die Laute der Amphibien sind echte Kehlkopflaute, zu deren Verstärkung oftmals spezielle Schallblasen eingesetzt werden. Diese können seitenständig und paarig angeordnet sein, wie bei den Grünfröschen (Wasserfrösche) oder kehlständig, wie z.B. beim Laubfrosch (unpaar) oder beim Grasfrosch (paarig). Schließlich gibt es auch Arten, bei denen keine speziellen Schallblasen ausgebildet sind, wie bei der Knoblauchkröte oder der Erdkröte, diese rufen dann auch mit geringerer Lautstärke.

Man kann die heimischen Froschlurche in Früh- und Spätlaicher unterteilen. Zur ersten Gruppe gehören Moor- und Grasfrosch sowie die Erdkröte, zur zweiten beispielsweise der gesamte Wasserfrosch-Komplex, also die Grünfrösche. Dann wiederum gibt es auch Arten, die diesbezüglich etwas variabler sind, wie z.B. Laubfrosch oder Knoblauchkröte.

Im folgenden sollen nun einige typische Vertreter des Parsteiner Sees vorgestellt werden, wobei die Artenliste keineswegs vollständig ist.


Amphibien sind typische Bewohner der Seichtwasserbereiche, so dass man sie vornehmlich in den Uferbereichen finden wird, wobei Temperatur und Säuregrad des Wassers wichtige Parameter für die Entwicklung darstellen, was in besonderem Maße für den Laich gilt. Hier gibt es artspezifische Unterschiede und die häufigsten Arten sind bekanntlich die anpassungsfähigsten und am wenigsten spezialisierten, was allerdings nicht heißt, dass man für ihren Schutz nichts tun muss.

Der Schutz der Gewässer und die Erhaltung natürlicher Strukturen in den Uferbereichen sowie der näheren Umgebung sind wichtig für das Überleben unserer Amphibien, deren „Konzert“ so untrennbar in das akustische Bild des Frühlings gehört.


Bei der nun folgenden Darstellung orientieren wir uns wieder am Bildbestand von R. Krause und bezüglich der Reihenfolge am zeitlichen Ablauf, so dass wir mit den Frühlaichern beginnen.

Grasfrosch  (Rana temporaria)

Diese zu den Braunfröschen gehörende Art ist ein ausgesprochener Frühlaicher. Bereits im März kann man seine tiefen knurrenden Laute hören, wobei die Lautstärke so gering ist, dass er auf größere Entfernung nicht wahrgenommen wird.

Die Schallblasen sind paarig im Kehlbereich angeordnet.

Sehr oft beobachtet man in Waldsümpfen Paarungsgemeinschaften von Gras- und Moorföschen. Die Männchen der letztgenannten Art zeigen während dieser Phase eine hellblaue Färbung, während die Männchen der Grasfrösche nur im Bereich des Trommelfells und an der Kehle eine schwach bläuliche Farbe aufweisen.

Außerhalb der Paarungszeit unterscheidet man die beiden Arten, die sich sonst sehr ähnlich sehen, am besten an der Form der Schnauze, die beim Grasfrosch deutlich rund ist und nicht so spitz zuläuft wie beim Moorfrosch. Auch der gewählte Lebensraum für den Sommeraufenthalt ist mehr oder weniger arttypisch:

während Moorfrösche bevorzugt (aber nicht nur) Wiesen aufsuchen (außer Jungfrösche), findet man Grasfrösche vermehrt im Wald, wo sie auf der Laubstreu hervorragend getarnt sind.

Erdkröte  (Bufo bufo)

Auch die Erdkröte ist verhältnismäßig früh im Jahr anzutreffen, bei günstiger Witterung beginnen die Wanderungen bereits im März, spätestens aber im April. Oft überlappen sie sich mit der vorgenannten Art.

Erdkröten gehören zu den häufigsten Amphibien Europas, in manchen Gebieten kann man regelrechte Massenwanderungen beobachten. In dieser Zeit erleiden sie jedes Jahr hohe Verluste durch den Straßenverkehr.

Männchen sind deutlich kleiner als die Weibchen, sie umklammern diese oft schon während der Wanderung und lassen sich so zum Laichgewässer tragen. Dort hört man häufig einzeln rufende Männchen, die noch unverpaart sind. Sie sitzen dann oft weit verteilt  -  ein typisches Chorrufen wie z.B. beim Laubfrosch ist hier nicht zu hören.

Erwachsene Erdkröten sind erstaunlich zäh:  es kommt z.B. vor, dass Verkehrsopfer nicht getötet, sondern „nur“ verletzt werden. Jeder Autofahrer wird wissen, dass die Kröten nicht nur zusammen gekauert auf der Straße sitzen, sondern mit ausgestreckten Gliedmaßen in Fortbewegungsintention manchmal

Laubfrosch  (Hyla arborea)

Rotbauchunke  (Bombina bombina)

Seefrosch (Rana ridibunda)

Kleiner Wasserfrosch  (Rana lessonae)

Teichfrosch  (Rana kl. esculenta)

Teichmolch  (Triturus vulgaris)

längere Zeit auf einer Stelle verharren. So passiert es also, dass ihnen mitunter nur die Beine überfahren werden (vor allem die Hinterbeine), welche dadurch absterben. Dennoch sind die Tiere in der Lage, zum Laichgewässer zu gelangen, indem sie sich offenbar nur mit den Vorderbeinen vorwärts schleppen. Dabei können sie erstaunliche Strecken von mehr als 200 m sogar durch Wiesenland (also hindernisreich) zurücklegen (eigene Beobachtungen auf Videofilm dokumentiert).

Das häufige Vorkommen dieser Art führt dazu, dass Einzeltiere auf den Wanderungen in Kellerschächte und andere Vertiefungen fallen, aus denen sie nicht mehr allein herausfinden. Häufig verenden sie dann, können aber bei entsprechendem Nahrungsangebot (vor allem in Kellern) viele Jahre überleben. Dennoch sollte man so aufgefundene Tiere auf jeden Fall hinaussetzen, da der jahreszeitliche Ablauf sonst völlig gestört wäre  -  unter normalen Umständen würde eine Kröte niemals ihr ganzes Leben in einem Keller verbringen !

Die markanten, weithin hörbaren Laubfrosch-Chöre, die man an lauen Abenden bereits ab April vernehmen kann, zählen sicher zu den bekanntesten unter den heimischen Froschlurchen.

Die Frühjahrswanderung beginnt im April und wird durch einen plötzlichen Temperaturanstieg in Gang gesetzt. Für diese Art haben die Schutzvorrichtungen (Krötenzäune) im Bereich der Verbindungsstraße Pehlitz-Parstein kaum eine Wirkung, denn Laubfrösche können gut klettern und überwinden mühelos solche Hindernisse.

Bereits auf der Wanderung kann man erste Einzelrufer hören; die Rufgemeinschaften am Laichgewässer lassen meistens mehr Individuen vermuten als tatsächlich vorhanden sind. Die dabei erreichten Lautstärken sind beachtlich:  ein einzelnes Männchen ist in 10 m Entfernung noch durchschnittlich 65 dB laut, in 50 cm Entfernung sogar bis zu 87 dB !

Vor dem eigentlichen Rufen werden Lungen und Schallblase mit Luft gefüllt. Die Rufe sind echte Kehlkopflaute, die lediglich über die Schallblase verstärkt werden. Während des Rufens bilden Lunge und Schallblase ein geschlossenes System, die Luft wird ständig hin und her bewegt, wobei jeder Luftstrom im Kehlkopf eine Impulsgruppe auslöst.

Neben den aktiven Rufern gibt es auch stumme Männchen, die als Opportunisten darauf warten, dass zufällig ein Weibchen des Wegs kommt.

Am Tage sitzen sie zusammen gekauert an Schilfhalmen und sind dort trotz des starken Kontrastes zwischen ihrem kräftigen Grün und dem tristen Grau des trockenen Röhrichts nur schwer zu entdecken. Abends klettern sie dann hinab, denn das Konzert findet immer im Wasser statt (siehe Fotos).

Nach der Paarungszeit wandern die Tiere in ihre Sommerlebensräume, die sich auf Brachland in hoher Vegetation befinden können, aber bevorzugt auch an Waldrändern bzw. im Wald. Die zurückgelegten Strecken sind sehr unterschiedlich, das hängt davon ab, wie weit geeignete Strukturen vom Laichgewässer entfernt sind. Die Umgebung des Parsteiner Sees bietet allgemein gute Bedingungen, obgleich der See selbst nur in einigen seichten Bereichen (vor allem um den Pehlitzwerder) günstige Voraussetzungen zum Laichen bietet. Hier spielen Temperatur und Säuregrad des Wassers eine wesentliche Rolle, deshalb findet man diese Art häufiger in Kleingewässern des Umlandes. Auch Feldsölle werden gern genutzt.

An warmen Septemberabenden hört man dann noch einmal verstärkt rufende Individuen, bevor schließlich ab Anfang Oktober mit Einsetzen einer anderen Großwetterlage ein gerichtetes Wandern in die Winterquartiere erfolgt.

Von den Schwanzlurchen sei hier einer der bekanntesten Vertreter der Wassermolche vorgestellt  -  der Teichmolch.

Es gibt zwei jahreszeitlich unterschiedliche Lebensphasen  -  die aquatische (Frühling und Frühsommer) und die terrestrische.

Hiermit ist auch ein Gestaltwechsel verbunden, der die Tiere in beiden Phasen völlig unterschiedlich aussehen lässt, was die Bestimmung erschwert.

In der aquatischen Phase findet die Paarung statt, häufig werben mehrere Männchen um ein Weibchen, diesem werden durch Schwanzwedeln Duftstoffe zugetragen, auf die es mit Annäherung reagiert. Dabei gibt es drei Grundmuster der Balzbewegungen (beim Männchen): Wellen-, Peitschen- und Fächelbewegung (TEMBROCK 1984).

Das typische Prachtkleid legen die Tiere erst im Wasser an. Bei Ankunft am Laichgewässer unmittelbar nach der Frühjahrswanderung ist davon noch nichts zu erkennen (siehe Bild links). Die übrigen drei Bilder zeigen ein Larvenstadium mit den charakteristischen deutlich sichtbaren Kiemenbüscheln.

Die Rotbauchunke ist wärmeliebend, ihre charakteristischen Rufe dementsprechend erst bei einer Temperatur von etwa 12 Grad Celsius zu vernehmen.

Besonders in flachen Waldpfühlen hört man die Tiere, aber auch im nahe liegenden Sichelbruch sind sie regelmäßig vertreten.

Die Männchen blähen sich zum Rufen in typischer Weise auf, jeder Ruf erzeugt kleine Wellen im Wasser, die der Distanzregulation zwischen den Einzeltieren dienen.

Die Grün- oder Wasserfrösche stellen eine durchaus bemerkenswerte Gruppe der Anuren dar.

Sie sind von allen heimischen Arten jene, die das ganze Jahr über am stärksten an Wasser gebunden sind, selbst das Überwintern erfolgt zum überwiegenden Teil am Grund der Gewässer.

Die Besonderheit besteht nun darin, dass es eigentlich nur zwei ursprüngliche Arten gibt, nämlich den Seefrosch (als größten Vertreter) und den Kleinen Wasserfrosch.

Der Teichfrosch stellt eine Bastardform dar (worauf der im latainischen Namen oft verwendete Zusatz „kl.“ hinweist), die aber in der Lage ist, eigenständige Populationen aufzubauen und sich damit in gewisser Weise von den beiden übrigen Arten abzugrenzen.

Dieses Vermögen wird durch genetische Besonderheiten ermöglicht, auf die wir hier aber nicht detailliert eingehen wollen, da es den Rahmen sprengen würde; hier sei der Interessierte auf Spezialliteratur verwiesen.

Die Wasserfrösche sind wärmeliebend, sie sind ausgesprochene Spätlaicher, die erst im Mai zur Fortpflanzung schreiten, Nachzügler gar erst im Juni.

Der Kleine Wasserfrosch ist der einzige Vertreter der Grünfrösche, der eine richtige Laichfärbung aufweist. Die Männchen erscheinen dann auffallend Gelbgrün.

Gleichzeitig sei an dieser Stelle darauf verwiesen, dass die genaue Artbestimmung bei den Wasserfröschen einige Schwierigkeiten bereitet, da es bereits regionale Unterschiede im Erscheinungsbild gibt und sogar in ein und demselben Gewässer.

Vor allem der Teichfrosch nimmt nicht immer genau eine Mittelstellung ein, sondern ähnelt mal der einen, mal der anderen Art etwas mehr, so dass wir hier die Zuordnung der einzelnen Bilder zu den jeweiligen Arten mit Vorbehalt vorgenommen haben.

Auffallend sind beim Kleinen Wasserfrosch die weißen Schallblasen, die beim größeren Seefrosch eher grau sind. Beim Teichfrosch haben sie einen Zwischenton. Gleiches gilt für die Lautäußerungen: im Sonagramm der Paarungsrufe erkennt man eine mehr oder weniger intermediäre Struktur. 

Kleine Wasserfrösche sind zudem (im Gegensatz zum Seefrosch) auffallend häufig in terrestrischen Lebensräumen anzutreffen, wo sie auch nicht selten überwintern.

Der Teichfrosch ist nun die am häufigsten anzutreffende Art, er ist verhältnismäßig anspruchslos und seine typischen Lautäußerungen, die nicht immer eindeutig von jenen des Kleinen Wasserfrosches unterschieden werden können, sind weithin bekannt  -  es ist das typische Froschkonzert am Seerosenteich, das jeder kennt.

Die Schwimmblattzone im Flachwasserbereich ist der Schauplatz, an dem man diese Frösche findet, entsprechend zählen am Parsteiner See die ruhigen Buchten dazu.