Im Parsteiner See konnten elf Armleuchteralgenarten nachgewiesen werden (Breithaupt 2008).

Ihre Ausbreitung bzw. Abfolge wird maßgeblich durch Lichtmenge, Turbulenz und Chloridgehalt des Wassers bestimmt.

Einige Autoren ordnen die Characeen nach Zellaufbau und Fortpflanzungsweise den Algen zu, andere sehen sie als sehr isolierte Gruppe innerhalb der rezenten Pflanzen an - wie auch immer, wir wollen diesen systematischen Zusammenhang hier nicht weiter verfolgen, sondern uns mehr auf die Lebensweise konzentrieren.

Die meisten Armleuchteralgen leben in oligo- bis mesotrophen Gewässern. Sie wachsen verankert am Boden und fehlen demzufolge an Stellen, an denen sich Faulschlamm ablagert. Da unsere Seen jedoch in der Vergangenheit durch menschlichen Einfluss immer ausgedehntere Faulschlammschichten bildeten, gingen auch die Characeenwiesen stark zurück oder fehlen sogar gänzlich. Bevorzugte Bedingungen vieler Arten sind kalkhaltige Standorte. Während der Assimilation werden dem Wasser anorganische Kohlenstoffverbindungen entzogen, an den Pflanzen haftet oft eine Kalkkruste. In vielen eutrophierten Gewässern findet man nur noch dichte Wiesenkalkablagerungen, die auf das einstige Vorkommen dieser hochentwickelten Algen schließen lassen.

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Der Parsteiner See ist bekannt für seine ausgedehnten Characeenbestände.

Stammesgeschichtlich sind die Armleuchteralgen (wie sie auf deutsch heißen) sehr alt und bereits im Devon (Paläozoikum) nachgewiesen.

Unter allen Süßwasserpflanzen halten sie den Tiefenrekord und können auch in 30 m Tiefe vorkommen, sofern die Lichtverhältnisse ausreichen, was wiederum abhängig vom Nährstoffhaushalt ist (siehe auch „Trophie“).

In den Gewässern bilden Armleuchteralgen den Grundrasen, die sogenannten Charawiesen.

Ihr Name leitet sich von ihrer Gestalt ab: An einer Mittelachse sind quirlartig mehrere Äste angeordnet,

auf denen die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane sitzen; durch diese Form erinnern sie entfernt an die früher üblichen Armleuchter (Lampen- oder Kerzenhalter mit eben solchen abstehenden Armen).

u.a. im Parsteiner See vorkommende Arten:


Rauhe Armleuchteralge

(Chara aspera)


Geweih-Armleuchteralge

(Chara tomentosa)


Kurzstachelige Armleuchteralge

(Chara intermedia)


Gegensätzliche Armleuchteralge

(Chara contraria)


Faden-Armleuchteralge

(Chara jubata)


Zerbrechliche Armleuchteralge

(Chara fragilis)


Steifhaarige Armleuchteralge

(Chara hispida)


Stern-Armleuchteralge

(Nitellopsis obtusa)



Auffallend ist die Geweih-Armleuchteralge (Chara tomentosa), die durch das leuchtende Orangerot der männlichen Fortpflanzungsorgane (Antheridien) besonders ästhetisch wirkt. Diese Art ist beispielsweise auf dem übernächsten Bild zu sehen.

Im Parsteiner See besiedelt sie die ruhigen, windgeschützten Bereiche (Buchten) und bildet beispielsweise im Mittelsee den Grundrasen. Hier verdrängt sie bisweilen die Gegensätzliche Armleuchteralge (Chara contraria), die dafür mehr im brandungsbeeinflussten Ostteil des Sees vorkommt und sich dort optimal entwickeln kann. Im westlichen Seebereich gehen die Rasenteppiche der Geweih-Armleuchteralge, in denen auch geringe Bestände der Kurzstacheligen Armleuchteralge (Chara intermedia) vorkommen, unterhalb der Zwei-Meter-Grenze allmählig in Bestände der Steifhaarigen Armleuchteralge (Chara hispida) über, in denen auch die Faden-Armleuchteralge (Chara jubata) vorkommt, die bereits vom Aussterben bedroht ist. Am tiefsten hinab reicht schließlich die Stern-Armleuchteralge (Nitellopsis obtusa), die die vorgenannten Rasengesellschaften ab etwa 3,5 Meter Wassertiefe ablöst und bis zur unteren Vegetationsgrenze (Makrophytengrenze) in 6,5 Metern Tiefe vorkommt.

Die Unterscheidung der einzelnen Arten ist insgesamt recht mühevoll; zum einen gibt es Geschlechtsunterschiede, andererseits variiert ihre Gestalt in Abhängigkeit von der Wassertiefe. Eine genaue Bestimmung anhand von Bildern ist kaum möglich, man muss in aller Regel die Pflanze vor sich haben, mitunter lassen sich die exakten, artkennzeichnenden Merkmale nur mikroskopisch feststellen. Auch die geografische Verbreitung spielt eine Rolle. So kommt beispielsweise die Stern-Armleuchteralge in ganz Europa, Nordasien, Sibirien und Japan vor. Sie ist nicht ganz so empfindlich wie viele andere Arten, verträgt einen geringen Salzgehalt (Vorkommen in Brackwasser) und reagiert auch auf einen leichten anthropogen bedingten Nährstoffeintrag nicht sofort mit Rückzug. Die einzelnen Quirle können bei dieser Art einen Abstand von bis zu 20 cm aufweisen, entsprechend wenig sind davon angeordnet, wobei diese Alge ausnahmsweise sogar eine Länge von 2 Metern erreichen kann. Die Antheridien sind hier nicht rötlich wie bei der Geweih-Armleuchteralge, sondern dunkel grünlich bis bräunlich.

Letztere ist ausschließlich in sauberen Klarwasserseen anzutreffen, Eutrophierung verträgt sie nicht, weshalb ihre Bestände mitunter stark zurückgehen. Einzelne Exemplare wurden (in entsprechenden Gewässern) noch in 30 m Tiefe gefunden. Sonst trifft man sie bis in eine Tiefe von etwa 6 m an, im Parsteiner See allerdings lassen die Lichtverhältnisse nur maximal 2 m zu (siehe oben). Die Quirläste sind bei den männlichen Pflanzen nach innen, also zum Spross hin gekrümmt, so dass schon allein daran eine Geschlechtsunterscheidung möglich ist.

Auf zwei der weiter zu sehenden Bildern sind sie zum Teil mit Fadenalgen überzogen, ein Zeichen der Überdüngung. Welche Ausmaße das annehmen kann, ist recht anschaulich auf der Seite „Trophie“ dargestellt.


Armleuchteralgen sind ganz allgemein Indikatoren für gute Wasserqualität. Dort, wo es stabile Bestände gibt, kann man davon ausgehen, dass sich die Nährstoffverhältnisse auf einem akzeptablen Niveau halten und auch die übrige Schadstoffbelastung gering ist.

Der Parsteiner See ist aufgrund seiner Größe und Wasserbeschaffenheit (Wasserchemie) in der Lage, Schadeinflüsse relativ gut abzupuffern. Auch seine maximale Tiefe spielt hierbei eine Rolle. Natürlich ist dieses Vermögen nicht unbegrenzt, was die Vergangenheit ja zeigte. Dennoch haben sich mitunter große Bestände der unterseeischen Wiesen erhalten. Um diese zu sehen, muss man nicht einmal hinab tauchen, bei sonnigem Wetter kann man sie vom Kahn aus erkennen, wenn man sich über den See treiben und den Kopf ein wenig über Bord hängen lässt. Hierzu bieten sich vor allem die westlichen Buchten an, wobei der See ganz allgemein einen sehr unregelmäßigen Verlauf des Untergrundes aufweist. Senken und Hügel wechseln sich unter Wasser ständig ab. Jeder dieser „Hügel“ wird von den Fischern als Berg bezeichnet (mit eigenem Namen) und ist in einer eigens dafür angefertigten Karte eingetragen.

Auf dem letzten Bild ist dicht neben einem rötlich gefärbten Antheridium der Geweih-Armleuchteralge als grüne Masse eine Kolonie aus Wimpertierchen (Ciliata) zu sehen (siehe hierzu speziell die Seite „Tierkolonien“ weiter hinten).